Es war länger etwas ruhig bei uns, aber aus gutem Grund: Wir freuen uns, heute den Radikal*Fund für politische Teilhabe und die Event Grants, sein erstes Förderungsprogramm, der Öffentlichkeit vorstellen zu können.

Im Herbst letzten Jahres spülte es einen Tweet einer Women of Color (WoC) in unsere Timeline, die fragte, ob sie nicht jemanden kenne, die ihr die Protokolle des NSU-Prozess kaufen wolle. Sie würde diese gerne durcharbeiten, aber die 80 Euro seien grad nicht drin. Kurzerhand kauften wir das Buch über ihre Amazon-Wishlist. Dabei fiel uns auf, dass dies kein Einzelfall ist. Sehr viele engagierte, junge Menschen, die aus nicht-privilegierten Verhältnissen kommen, verlinken auf Ihren Social-Media-Profilen zu Amazon-Wunschlisten. Es scheint also ganz offensichtlich einen Bedarf an Unterstützung durch kleinere Beträge zu geben.

Aber da muss doch etwas Besseres machbar sein, als nur durch die Wunschlisten diverser Menschen zu gehen und ihnen auf Zufall Dinge daraus zu kaufen. Dadurch würden wir doch wieder nur unsere direkte Bubble unterstützen, und gerade Menschen, die noch keine Plattform haben oder nicht in unseren direkten Zirkeln sind, würden davon ja nichts haben.

Darauf aufbauend kam uns die Idee, einen anti-rassistischen, intersektional-queerfeministischen Fund aufzusetzen. Dieser wird kleinere Beträge für Bildung und Teilhabe ausgeben, die vielen größeren gemeinnützigen Organisationen (NGOs) einfach zu viel Aufwand sind. Wir halten dies für einen guten Hebel, um etwas zu verändern und Menschen in ihrer politischen Arbeit zu unterstützen. Kombiniert mit unserer Erfahrung, dass viele politische Veranstaltungen überproportional weiß sind, entschieden wir uns, ein Programm aufzusetzen, um mehr nicht-weißen Menschen unproblematisch die Teilnahme zu ermöglichen: Event Grants.

Mit den Event Grants vergibt der Radikal*Fund nicht zurückzahlbare Micro-Grants an Menschen der Vielfalt, um an politischen Veranstaltungen teilnehmen zu können. Über ein einfaches Online-Formular können unkompliziert bis zu 200 Euro pro Veranstaltung beantragt werden, über die dann das Board in einem internen "Crowd-Funding-Verfahren" mittels CoBudget über die Annahme entscheidet und die Antragstellerin binnen 10 Tagen eine Rückantwort erhält. Neben einer kurzen Beschreibung zur Person muss dafür im Antrag nur die Veranstaltung und eine kurze Auflistung der zu übernehmenden Kosten genannt werden. Ein Einreichen von Belegen oder anderen Nachweisen ist nicht erforderlich.

Wir hoffen, mit dem Radikal*Fund die politischen Veranstaltungen vielfältiger und repräsentativer zu machen und die Stimmen von Peopl of Color (PoC) im öffentlichen Diskurs zu multiplizieren.

Mehr zum Fund, zum Beispiel wer im Board sitzt und über die Anträge entscheidet, findest Du auf der dafür eingerichteten Informations-Seite. Und die Event-Grants, wie auch den Link zum Antrags-Formular findest du hier.