In diesen Breitengeraden werden gerade die alljährlichen Vorkehrungen getroffen, um die Feierlichkeiten zur Wintersonnenwende, sowie andere kulturelle Feste – die praktischerweise im selben Zeitraum liegen – zu begehen. Wie es sich für eine moderne Konsumgesellschaft gehört, so herrscht auch hier der Sozialzwang, dabei Geschenke zu übergeben. Auch wir können uns diesem Druck nicht immer und überall entziehen. Aber wenn wir schon schenken, dann wenigstens was Gescheites.

Falls Du noch auf der Suche nach Geschenken bist, hier ein paar Empfehlungen, die wir dieses Jahr verschenken werden.

Zunächst einmal ein Klassiker, der in diesem Jahr eine Neuauflage erlebt hat: In "Deutschland Schwarz Weiss. Der alltägliche Rassismus" zeigt Noa Sow auf eindrucksvolle Weise, wie tief der Rassismus in der deutschen Alltagskultur verankert ist. Auch Tupoka Ogette widmet sich in exit RACISM diesem Thema, geht dabei aber einen Schritt weiter, in dem sie uns an die Hand nimmt und unsere eigenen blinden Flecke aufdeckt ohne uns zu verurteilen. Der dieses Jahr erschienene deutsch-englische Band "The Black Diaspora and Germany / Deutschland und die Schwarze Diaspora" des Forschungsnetzwerks Black Diaspora and Germany hingegen, fasst den aktuellen akademischen Diskurs zu dieser Thematik in Deutschland auch für Nicht-Akademiker nachvollziehbar zusammen und führt diesen fort.

Wenn es dann doch etwas seichter und populärer sein soll, wie wäre es mit der BECOMING Autobiographie von Michelle Obama, der ehemaligen "First Lady" der USA?


Achja, Konsumfest zur Wintersonnenwende. Wenn die ganze Familie aus allen Teilen der Welt zusammen kommt, um den eigenen Wohlstand zur Schau zu stellen. Wo dir deinen Eltern beweisen, du kannst noch so weit weg ziehen und es kann noch so lange her sein, es reicht ein Wort von ihnen und du bist wieder das kleine Mädchen, über dessen Wohlbefinden sie überraschend viel Kontrolle ausüben können.

Bevor dann bei einem viel zu ausgiebigen Festmahl der Völlerei gefröhnt und bei nicht zu wenig Alkohol die alten Familiengeschichten und -Konflikte aus der Schublade geholt werden, bevor der rassistische Onkel dann anfängt stolz über seine AfD-Kameraden zu säuseln und Opa mit einsteigt, denn so schlimm sei das in Wehrmacht ja gar nicht gewesen.

Und jedes mal aufs Neue stellt sich die Frage: wie damit umgehen? Soll ich das jetzt konfrontieren? Will ich da wirklich so überfressen und angesäuselt drauf einsteigen? Oder mache ich es damit nur noch schlimmer?

Gegenvorschlag: statt dessen holst du das neu verschenkte Cards Against Humanity ("Karten gegen die Menschlichkeit") hervor und schlägst vor das zu spielen. In der Hoffnung, dass dies politisch total inkorrekte Kartenspiel die Stimmung und damit die Aufnahmebereitschaft der Beteiligten steigert und die dort angesprochenen Themen weniger konfrontativ behandelt werden können. Außerdem sind die Witze, die Familienmitglieder dann machen, ein guter, subtiler Indikator dafür, wer - nachdem Sie darauf angesprochen wurden - nächstes Mal nicht wieder eingeladen wird ;) .

Cards Against Humanity ist leider käuflich nur auf Englisch verfügbar (und muss bis zum 18. bestellt sein!), es gibt aber deutsche Versionen zum herunter Laden und ganz einfach selber basteln.


Sie hat schon alles, kennt die Bücher oder würde die eh nicht lesen und Cards against Humanity hat sich auch schon (durchgespielt)? Tja, dann bleibt nur noch Kunst zu schenken – aber auch dies kann mit positivem Hintergrund getan werden. So führt das ACUD an diesem Sonntag, den 16. Dezember, unter dem Titel "Artists care about Bridges" eine Kunst-Auktion durch, dessen erlöse der Seebrücken Bewegung zu Gute kommen.

So hat das Kunstwerk, welches du verschenkst, über den einen ästhetischen und künstlerischen Wert, auch noch eine gute Geschichte für Dich mit an Bord und ist ein super Einstieg, um die Seebrücke und das – für manche Familien schwierige – Thema "Sterbende im Mittelmeer" anzusprechen.

Du musst aber nicht selbst in Berlin sein, um teilnehmen zu können: Der Auktions-katalog kann auch online eingesehen werden und verbindliche Gebote können bis Samstag um 18Uhr per E-Mail abgegeben werden.