Die Hufeisentheorie ist ein vereinfachtes Denk-Model über politische Strömungen, die häufig als praktische Form des "What-Aboutism" dient. Bei dieser wird jede politische Position auf ein Spektrum von rechts-extrem bis links-extrem verteilt und auf einem Hufeisen angeordnet wobei die beiden Enden die jeweiligen Extreme darstellen.

Die Idee hinter dieser Darstellungsform ist, aufzuzeigen, dass die beiden Extreme sich – vor allem durch den Einsatz von Gewalt – näher seien, als sie jeweils zur "Mitte" stünden.

Durch die Hufeisendarstellung wird den beiden Extremen eine hohe Nähe zueinander dargestellt Quelle: ZDF Beitrag "Warum die Hufeisentheorie nicht zeitgemäß ist"

Die Hufeisentheorie geht mindestens auf die Zeiten der Weimarer Republik zurück, in der es Straßenschlachten zwischen Faschisten und Linken gab. Aber auch damals diente diese Beschreibung bereits den politischen Führungskräften–vor allem aus dem konservativen Lager–um die Gewalt der rechts-radikalen Faschisten herunter zu spielen und gleichzeitig Gewalt gegen Gewerkschaften und anderen angeblich "links-extreme" Organisationen zu rechtfertigen.

Diese Theorie der Erklärung der politischen Verhältnisse ist offensichtlich viel zu vereinfacht und bringt damit eine Reihe von Problemen mit sich: Die Einordung auf einem reinen Links-Rechts-Spektrum ist äußerst umstritten, genau wie die Behauptung es gäbe eine politische "Mitte" und diese sei a) die Mehrheit oder b) deren Kompromisse damit automatisch gesellschaftlich, politisch oder moralisch richtig.

Vor allem aber ignoriert sie die Ziele der Strömungen und damit auch, warum diese eventuell Gewalt anwenden: Faschisten wollen einen Bürgerinnenkrieg anzetteln, die Demokratie abschaffen und durch einen autoritären Unterdrückungsstaat ersetzen, während (moderne) Linke dies verhindern und andere Unterdrückungen abschaffen wollen.

Dennoch hören wir auch heute noch vielfach ein Abgrenzen "Gegen den Extremismus von Rechts, wie auch von Links" – vor allem durch (rechts-)konservative Politikerinnen und Journalistinnen, und vor allem, wenn diese mal wieder mit einer zu großen Nähe zu Rechtsextremisten und Faschisten aufgefallen sind. Denn genau dazu dient diese Theorie: als Ablenkungsmanöver und politisch strategisches What-Aboutism.