Aber noch wichtiger als, dass Erwachsene sich gegenseitig zur Wintersonnenwende den eigenen sozialen Status durch das Übergeben von materiellen Gütern beweisen, ist den Sprösslingen die Regel nummero uno der Konsumgesellschaft beizubringen: Wer dir nichts schenkt, die liebt dich nicht. Und auch wenn wir uns dem sozialen Druck unserer erwachsenen Mitmenschen, etwas schenken zu müssen, argumentativ gegenüber stellen können, so gelten wir doch spätestens dann als herzlos, wenn wir den Kleinen nichts kaufen. Hmpf.

Naja, gut, wenn ihr darauf besteht... dann beteiligen wir uns auch an dieser Materialschlacht. Aber dann unterwandern wir es wenigstens subversiv und machen aus deinen Kindern kleine Rebellen, wie uns. Das hast du jetzt davon, dass du uns diesen Brauch aufzwingst.

Hier sind ein paar Dinge, die wir dieses Jahr an die Kleinen verschenken.

Auch bei den Kindern ist das Kontra-Indoktrinieren am einfachsten über Bildungsmaterial und Bücher gelten gemeinhin als immer gutes Kindergeschenk. Wie wäre es zum Beispiel mit Kinderliteratur, die einen Gegenentwurf zu den allgemeinen Frauenbildern und das Vergessen von Frauen in der Geschichtsschreibung anbietet?

Wir empfehlen da das wunderschön illustrierte "Good Night Stories for Rebel Girls", welches es neben der Deutschen Version und einer englischen auch in spanischer und türkischer Fassung gibt – letztere aber scheinbar nur noch bei Amazon 😞. Oder wie wäre es mit dem ähnlich gestalteten Power Women?

Nicht radikal genug? Verständlich, schließlich stellen beide – schon mit ihrem Titel – das cis-heteronormative Weltbild kaum in Frage. Wie wäre es statt dessen dann mit der Geschichte des Teddy Telli. Einem Teddy, die sich nicht mehr als Bär aber viel eher als Teddybärin empfindet und Telli genannt werden möchte. Oder verärgere die konservativen Eltern mit einer Geschichte von der Regenbogenfamilie in Zwei Mamas für Oscar oder dessen Pinguin-Pendant Zwei Papas für Tango.

Ach, was ist das alles positiv... Das reicht dir nicht.? Du brauchst was Rebellischeres, das Kind ist ja nicht auf den Kopf gefallen und muss den Eltern aber mal so richtig einheizen? Gerne. Wie wäre es dann z.B. mit dem englischsprachigen "A Rule is to break - a child's guide to anarchy" oder "Kommunismus - wie endlich alles anders wird" (Black Mosquito hat noch weitere radikal*e Kinderbücher im Programm) oder "Moxie - Zeit zurück zu schlagen"?

Bücher reichen nicht? Die Infiltrierung muss darüber hinaus gehen? Sturmhaube zu offensichtlich? Auch in regenbogenfarben? Naja, wie wäre es dann mit dem Revoluzzer-Brettspiel Bloc by Bloc – leider im einzigen uns bekannten deutschen Vertrieb erst ab 31.12. erhältlich. Aber so lange kann der Gutschein ja schon einmal Anregung dafür sein, den Arbeitskampf mit den Eltern zu diskutieren!

Wir vernehmen außerdem, dass dieses Jahr die programmierbaren Spielroboter wohl der heiße Scheiß sind. Hoffen wir mal, dass dies nicht nur als Arbeitsbildungsmaßnahme verstanden wird, damit das Kind bessere Chance im Job hat, da es programmieren kann, sondern dass es auch wirklich lernt damit kreativ umzugehen und die Technologien für den sozialen Fortschritt einsetzt. Um die Weichen in diese Richtung zu stellen, empfehlen wir auf die "schick-bunten geschlechts-neutralen Bauteile" von littleBits zurückzugreifen – auch wenn wir mit einem weinenden Auge vernehmen, dass diese nun mit den großen Marken (DC-Comics und StarWars) zusammen arbeiten.


An dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, sollte das tolle Kinderbuch-Rezensions-Gemeinschaftsprojekt buuu.ch, wo ihr weitere tolle, diverse Kinderbuch-Empfehlungen für jedes Alter finden könnt und auf das auch wir immer gerne zurück greifen – Danke! Und welches unseren ersten Eindruck zum Jungs-Pendant "Stories for Boys who dare to be different" bestätigt hat: nicht kaufen!