Cee, von ihrer Mutter auch Charlie genannt, ist parthenogenetisch, das bedeutet, ihre Mutter wurde ohne Geschlechtsverkehr schwanger. Auch Cees Großmutter ist parthenogenetisch; ebenso hat Cee ihre Tochter geboren, ohne eine Beziehung zu einem Mann zu haben. Mit der Volljährigkeit verlassen die Frauen ihre Mütter und gehen ihren eigenen Weg.

Sie lebt also ein sehr unabhängiges, starkes, aber auch manchmal einsames Leben. Eines Tages wacht sie auf und hat die Farbe gelb verloren. Sie kann sie nicht mehr sehen. Zunächst ist sie verwundert und irritiert. Als sie das blau verliert, denkt sie, dass es furchtbar kalt draußen sein muss, weil der Himmel so grau ist und zieht daraufhin ihren wärmsten Pullover an. Es ist allerdings sehr warm, sie schwitzt sich durch den Tag. Nicht nur ihr Körper kommt durcheinander, auch ihre Arbeit; als Grafikdesignerin ist es ihr heilig, Farbkombinationen in Präsentationen zu bringen. Dass sie die Farben nicht mehr sehen kann, gehört auch zu ihrer eindrucksvollen Familiengeschichte.

Ihre wahnsinnige Stärke und ein Brief ihrer Mutter helfen ihr, den Weg des Verlustes der Farben, aber auch die Wiedergewinnung zu gehen. Denn sie sieht die Farben nun nicht mehr, kann sie aber über andere Sinne wahrnehmen und beginnt, das Leben und seine Farben, intensiver zu spüren. Bei Bildern mit bestimmten Farbkombinationen kribbelt ihre Nase besonders. Sie erfährt so die Umwelt auf eine ganz neue Art und es dauert ein wenig, aber sie merkt, wie schön es ist, Farben zu erleben, statt nur zu sehen.

Neben dieser sehr einschneidenden Lebenserfahrung spielen die Geschehnisse in ihrer Nachbarschaft, die Zusammenarbeit mit einem Auftraggeber und ein Mann eine besondere Rolle in dieser Geschichte.

Die Novelle von Sharon Dodua Otoo ist sehr lebensfroh und kurzweilig, sie fasst mit Leichtigkeit die Unbequemlichkeit beim Perspektivenwechsel weißer Menschen an der Wurzel, indem Empowerment und Klugheit von Cee die Hauptrolle spielen. Alltagsrassismus und Unsensibilität werden auf sanfte Art bespielt; Farbenvielfalt, intensives Wahrnehmen und Agieren sowie die Kraft der Protagonistin stehen dabei im Vordergrund.

“Synchronicity” und “Die Dinge, die ich denke, während ich höflich lächle…” sind im Doppelpack beim Fischer Verlag käuflich zu erwerben, 249 Seiten voller Scharfsinn und Herzlichkeit, die sehr lesenswert sind!

Unter diesem Link findet ihr beim Fischer Verlag die gelesene Ausgabe.