Auf dem heutigen Bundesparteitag hat die CDU eine überraschende Kehrtwende gemacht und die ehemalige Bundesfraktionsbeauftragte für Migration, Cemile Giousouf, zur neuen Bundesvorsitzenden gewählt. Die erste Muslima der CDU im Bundestag hat erst auf dem Bundesparteitag ihre Kandidatur bekannt gegeben und ihre Redezeit genutzt, um ein flammendes Plädoyer für die offene Gesellschaft und eine humane Integrationspolitik zu werben. Das kam offensichtlich gut an in einer CDU, die sich nach Merkel modernisieren will.

Damit reißen die Überraschungen bei der CDU nicht ab; nachdem Merz aufgrund des Bekanntwerdens einer Strafermittlung im Zuge des CumEx-Skandal seine Kandidatur zurück gezogen und Merkel ihrer vormaligen Generalsekretärin AKK aufgrund derer fragwürdigen Stellung zur Ehe für Alle gerügt hatte, galt der verbleibende Jens Spahn im Grunde als gesetzt - auch wenn die Umfragen nicht erwarten ließen, dass dieser es im ersten Wahlgang schaffen würde. Dennoch schien er sich wohl zu siegessicher und nutze seine Redezeit in erster Linie, um seinen Frust mit der Kanzlerin los zu werden.

Das kam bei wenigen gut an. "Davon haben wir einfach genug", meinte Wilhelm Erkner, Kreisvorsitzender Unterockersheimerforde, nach der Rede auf dem Bundesparteitag, "die CSU grätscht mit ihren Spinnern schon immer dazwischen, da brauchen wir jetzt nicht auch noch einen Saboteur in den eigenen Reihen." Ganz anders nach der Rede von Cemile Giousouf: "Ne klasse Frau, die bisher klasse Arbeit gemacht hat - sehr schade, dass sie diesmal den Bundestagseinzug verpasst hat. Aber super, dass sie sich jetzt aufstellt. Ich glaube, die kann mit der Kanzlerin noch viel Gutes für unser Land erreichen!", so Volker Kauder. Und so gewinnt Cemile prompt im ersten Wahlgang den Bundesvorsitz der CDU.

Aber auch sonst stand der Bundesparteitag der CDU ganz im Zeichen der Erneuerung. Ohne große Debatte wurden einige Anträge beschlossen, die die CDU weiter nach Rechts abgrenzen und in der Mitte verfestigen werden - darunter unter anderem ein Ausschluss von Koalitionen mit der AfD auf Bundes-, wie auch auf Landesebenen.

"Heute haben wir den autoritären National-Radikalisten mal gezeigt wer das wahre Volk ist", so Annette Widmann-Mauz, Bundesvorsitzende Frauen Union, "Haben klare Kante gezeigt und eine tolle Frau als Nachfolge-Muss-Weg. Nur, haben wir diesmal die Latte noch höher gehängt und eine Muslima gewählt, dessen Namen die von Pegida wahrscheinlich nicht einmal fehlerfrei aussprechen können."