In meiner Utopie sind alle Menschen gleich. Da ist es egal, ob du Mann oder Frau bist, Genderfluid, Jüdin, Muslima oder ob du eine körperliche oder geistige Einschränkung hast, ob du PoC oder weiß bist. Es kommt darauf an, wie du handelst. Bist du gut in dem, was du tust; orientierst du dich am Gemeinwohl oder (doch) an deinem Ego.

Es ist wichtig, dass du gerne und mit Leidenschaft machst, was du tust. Dass es dir am Herzen liegt, dass jede in unserer Gesellschaft, auf der Welt, dem nachgeht, was sie mag und kann. Weil Strukturen wie Hierarchie und Patriarchat oder Machtherrschaften nicht funktionieren.

Vielleicht hätten manche von euch zu Beginn gedacht -- ach, das ist doch gar keine Utopie! Wer es bis zum Ende denkt, ich muss euch leider enttäuschen. Unsere Gesellschaft sieht nämlich exakt so aus. Wir diskriminieren Menschen, weil angeblich irgendetwas an ihnen “anders” ist.

Wir untertiteln Videos nicht für gehörlose Menschen, wir bauen zu wenig Rampen für Rollstuhlfahrerinnen, wir haben nur Klos für Männer und Frauen und wir hängen überall Kreuze auf. Das ist strukturelle Diskriminierung. Jetzt sagt ihr vielleicht, Moment, der Schäuble sitzt im Rollstuhl! Und der Westerwelle, der war doch schwul! Das stimmt beides. Wenn aber eine Gruppe von Menschen, die tendenziell strukturell diskriminiert wird, weniger diskriminiert wird, sind es erfolgreiche Männer. Schau dich mal um. Es gibt leider verschiedene “anders”-Seins.

Jetzt hat Angela Merkel gesagt, dass sie nicht noch einmal für ihre Ämter als Bundeskanzlerin sowie als CDU Vorsitzende antritt. Und es wäre wahrlich ein Traum, wenn nun auf diese Stellen jemand nachrückt, die verkörpert, dass es egal ist, in welche Schublade sie gehört. Auch für die CDU wäre es ein Traum.

Denn ja, in meiner Utopie ist es wirklich fair und gerecht. In der Realität aber nicht. Deswegen gibt es Mittel, dass es irgendwann so sein wird. Zum Beispiel Quoten.

Und die Ämter, die Angela Merkel nun verlässt, sind sehr wichtig. Die können jetzt nicht einfach wieder weißen, alten cis-Männern ohne Behinderung überlassen werden. Das wäre ehrlich sehr rückschrittig von uns. Wenn alte, weiße cis-Männer ohne Behinderung nämlich für Gerechtigkeit kämpfen würden, dann würden sie wichtige Positionen für beispielsweise Frauen mit Migrationsgeschichte sichern. Damit das mit der Repräsentanz irgendwann mal ohne Quoten klappt.

Liebe Männer, die ihr euch angesprochen fühlt: Es ist nichts persönliches. Mein Papa gehört auch zu euch, mein Freund wird es auch demnächst und durch einen Zufall wäre auch ich bald ein alter weißer Mann. Es geht nicht gegen euch. Es ist für die, die benachteiligt, diskriminiert werden. Es geht um Gerechtigkeit. Und wenn wir ehrlich sind, wissen wir auch alle, dass das für uns alle eine Bereicherung ist. Denn Gruppen, die homogen sind, erreichen weniger, als heterogene Gruppen. Kreativität entsteht bei unterschiedlichen Ideen und Bedürfnissen. Wer aber lieber stinkend auf dem Sofa sitzen will, bis es zu Ende ist, kann gerne für alte, weiße cis-Männer ohne Behinderung abstimmen. Ruht euch auf euren Privilegien aus.

Ganz persönlich finde ich eine bunte, aktive, offene Gesellschaft aber spannender und langlebiger. Deswegen der radikal*-Vorschlag: Frauen mit Migrationsgeschichte oder Behinderung sollen Merkels Nachfolgerinnen werden!

Ganz konkret: Vor Merkel waren 9 weiße alte cis-Männer CDU-Vorsitzende. Der Gerechtigkeit halber müssten jetzt also noch 8 Frauen folgen, mindestens 4 davon mit Migrationsgeschichte oder Behinderung. Wie wäre also mal eine neue Perspektive? CDU, seid gerecht, wählt Cemile Gemiousouf.