Die 11-jährige Darling lebt in Paradise, einer Blechhaussiedlung in Simbabwe. Ihr Vater ist in Südafrika, um ein besseres Leben zu leben. Ihre Mutter kämpft für das Überleben der kleinen Familie und ist oft tagelang nicht zu Hause. Darling geht nicht mehr zur Schule, seit es zu teuer geworden ist. Stattdessen klaut sie mit ihren Freunden und Freundinnen Guaven in Budapest, wo die Reichen wohnen. Die anstehenden Wahlen sind für Reiche und Arme ein Wendepunkt. Zwischendurch kommen NGOs, verteilen Spielzeuge und machen Fotos von den Kindern - am liebsten von Chipo, sie ist auch 11 und schwanger. Seitdem redet sie nicht mehr.

Mother of Bones, Darlings Großmutter, nimmt sie regelmäßig mit zur Kirche. Darling ist es irgendwie suspekt und trotzdem gehört es zu ihrem Leben.

Und dann verändert sich ihr Leben. Ihre Tante Fostalina wohnt in Amerika, in Detroit. Darling weiß, dass sie irgendwann dorthin gehen wird und redet oft davon, dass sie sich dann einen Lamborghini kaufen will. Weil es ein besseres Leben dort ist.

Dann wohnt sie bei ihrer Tante und stellt fest, dass sie sich niemals einen Lamborghini kaufen wird. Dass sie anders ist. Dass Afrika offensichtlich ein Land ist. Dass in Amerika gelächelt wird.

Sie wird ausgelacht, gemobbt, diskriminiert. Sie lernt ein neues Englisch, um dazu zu gehören. Mit ihren Freundinnen schaut sie Pornos, geht in Einkaufszentren und versucht, sich als Jugendliche zurecht zu finden. Und Paradise ist immer weiter weg.

NoViolet Bulawayo schreibt in ihrem Roman treffend und eingehend über Identität und Selbstfindung zwischen zwei Welten. Mit klugen und feinen Worten beschreibt sie, wie die Migration, bedingt durch gesellschaftliche Ungerechtigkeiten, das Leben von Darling so verändert, dass sie selbst nicht mehr weiß, wer sie ist oder wo sie hingehören will.

“Wir brauchen neue Namen” ist bei Suhrkamp erschienen, hat 262 Seiten und ist absolut empfehlenswert. Für alle.